aus. Dort heißt es: “So richte euch nun niemand wegen Speise oder Trank oder betreffs eines Festes oder Neumondes oder Sabbats, die ein Schatten der künftigen Dinge sind, der Körper

(selbst) aber ist des Christus.”

Als historische Hintergrundinformation sei angemerkt, dass Paulus hier nicht mit seinen eigenen Landsleuten, den Juden, im Streit liegt, weil sie die überwiegend heidnischen Kolosser zum Judaismus bekehren wollen, sondern Paulus hat es hier mit dem Gnostizismus zu tun. Die Lehre der “höheren Erkenntnis”, die keine eigene Religion darstellt, sondern sich wie ein Parasit auf eine Religion setzt und durch ihre philosophischen Lehren die bestehende Religion verändert. Walter Schmithals beschreibt dieses Phänomen in seinem Buch. “Paulus und die Gnostiker”.

Das Hauptproblem in den Versen 16 und 17 ist richten. Paulus selbst nimmt nicht das Richten vor, sondern er warnt die Gemeinde vor den Gnostikern, die sie richten. Das griechische Wort “krino” für richten bedeutet zu unterscheiden, zu trennen, eine Meinung zu haben, nachdem man sich mit den Besonderheiten des Falles beschäftigt hat. Durch das Wort “so” ist der Text verbunden mit der vorhergehenden Aussage. Christus hat alle Sünden vergeben, er hat die Gewalten und Mächte entwaffnet, Anbetung von Engeln ist unangebracht. Alles das ist eine falsche Demut, die die Gnostiker verlangten. Von ihnen sollten sich die Kolosser nicht beurteilen lassen. “Speise und Trank” sind nicht richtig übersetzt. Es handelt sich hier nicht um Substantive, sondern um Partizipien. Sie sollten mit “essend und trinkend” wiedergegeben werden. Die Gnostiker waren Asketen und kritisierten die Kolosser, weil sie an den Festtagen mit Essen und Trinken feierten. Die Situation hat nichts mit reiner und unreiner Speise zu tun, sie betraf die Art des Feierns.

Das Wort “betreffs”, das wir uns als nächstes ansehen wollen, ist keine Präposition im Griechischen, sondern ein Substantiv. “Meros” bedeutet soviel wie Teil und beinhaltet eine Abtrennung von etwas anderem. Der Begriff steht als Objekt zu der vorhergehenden Präposition “en”. Die nachfolgenden Substantive Fest, Neumond und Sabbat stehen im Genitiv zu “meros”. Somit ist die Bedeutung dieses Abschnittes, dass nur ein Teil dieses Festes, Neunmondes und Sabbats von den Gnostikern kritisiert wurde. Sie hatten nichts gegen Feste aber gegen die Art und Weise wie sie von den Kolossern gehalten wurden. Es war das Essen und Trinken, dass die Gnostiker als Asketen kritisierten.

In Vers 17 steht das Verb in der Gegenwart und wurde auch so wiedergegeben. Somit ist schon ausgeschlossen, das die Feste und Sabbate abgeschafft wurden mit dem Kommen oder Tod Christi. Dazu hätte das Verb in der Vergangenheit stehen müssen. Sie sind weiterhin ein Schatten “zukünftiger Dinge”. Die Grammatik macht klar, dass diese Feste und Sabbate weiterhin von Christen gefeiert wurden.

Ein weiterer Stolperstein ist der Ausdruck “soma tou Christou” (Körper Jesu Christi). Hier haben die Übersetzer das Wort “ist” eingefügt. Es steht nicht im Griechischen. Damit wird der Ausdruck zu einem unabhängigen Satz und zu einer Antithese zum “Schatten” und zu einer Herabsetzung der Feste, Neumonde und des Sabbats. Sie werden gegen die Realität Christi gesetzt. Im gesamten Neuen Testament wird der Ausdruck “Körper Jesu Christi” sonst nicht durch ein Verb unterbrochen, warum ausgerechnet hier? Der Gegensatz besteht nicht zwischen Schatten und Körper, dieser wird nur künstlich hervorgerufen durch die Einfügung des Verbs, sondern hier geht es um das Richten. Kein Gnostiker soll die Kolosser in ihrem Verhalten richten, dies ist allein die Aufgabe und Verantwortung der Gemeinde.

Paraphrasiert könnten die beiden Verse folgendermaßen übersetzt werden: “Keiner soll euch richten in dem Teilaspekt “Essen und Trinken” bei euren Festen, Neumonden und Sabbaten, die ein Schatten zukünftiger Ereignisse sind und Gottes Plan wiederspiegeln, wobei Jesus Christus die zentrale Person ist, sondern der Körper Christi (die Gemeinde) richte in dieser Angelegenheit.”

Der gesamte Abschnitt beschreibt nicht die Abschaffung des Gesetzes und der Feste, sondern im Gegenteil, sie bestätigen, dass die Kolosser weiterhin am Gesetz festhielten und die Feste Gottes und den Sabbat gehalten haben.

 

 

Hausgemeindetreff

Hans-Erwin Schotten

   

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