Wir können heute nicht genau sagen, warum die Zeugen erst so spät mit der Niederschrift begannen. Vielleicht hatten sie das Gefühl, lieber nichts niederzuschreiben, vielleicht erwarteten sie die Wiederkunft zu ihren Lebzeiten. Sie hatten ihre Autorität, die sie zitieren konnten - das AT. Mit der Zeit mussten die Zeugen wohl einsehen, dass Jesus nicht zu ihren Lebzeiten zurückkehren würde und die ursprünglichen Zeugen wurden alt, so setzten sie sich hin und fingen an zu schreiben. Markus’ Original wurde dann mit Wahrscheinlichkeit mehrfach kopiert, zu den Gemeinden gesandt, die wiederum Kopien anfertigten. In relativ kurzer Zeit gab es sehr viele Kopien von Markus’ Niederschrift. So war es auch mit den anderen schriftlichen Zeugnissen. Dass sie an einigen Stellen im Wortlaut nicht identisch sind oder eine andere Reihenfolge haben, zeigt nur die Unabhängigkeit der Zeugen. Wären sie alle bis  auf den letzten Punkt identisch, wären sie keine unabhängigen Zeugen, dann hätte einer vorgeschrieben und alle anderen abgeschrieben. So aber haben wir es mit voneinander unabhängigen Zeugen zu tun auf Grund deren Aussagen wir uns ein Gesamtbild vom Geschehnis machen und zu einem eigenen Urteil kommen können.

 

Auch die Briefschreiber des NT dachten nicht daran die Schrift zu erweitern, sondern sie befassten sich mit konkreten Problemen in den Gemeinden, die sie lösen wollten.

 

Wenn jemand wie Paulus einen Brief schreiben wollte, dann lief er mit Wahrscheinlichkeit im Raum auf und ab und diktierte seinem Schreiber den Text. Wollte er eine Schriftstelle aus dem AT einfügen, ging er nicht zum Regal, um die Rolle herauszuholen, sondern zitierte sie aus dem Gedächtnis, mal die griechische Version, mal die hebräische. Wenn Paulus seine Aussagen mit einer Autorität ausstatten wollte, dann benutzte er das AT, wie im Römerbrief ca. 46 mal. So beginnt er auch diesen Brief. Römer 1, Vers 1: “Paulus, Knecht Christi Jesu, berufener Apostel, ausgesondert für das Evangelium Gottes, das er durch seine Propheten in heiligen Schriften vorher verheißen hat.” Paulus schreibt nicht irgendetwas selbst  Erdachtes, er basiert seine Aussagen auf das AT. Zu Timotheus schreibt er, II. Timotheus 3, Vers 14: “ Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und wovon du überzeugt bist, da du weißt, von wem du gelernt hast, und weil du von Kind auf die heiligen Schriften kennst, die Kraft haben, dich weise zu machen zur Rettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist.” Die einzige schriftliche Autorität für Timotheus war das AT. Darauf konnte er aufbauen. Vers 16: “Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zu Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes richtig sei, für jedes gute Werk ausgerüstet.” Das AT war die Grundlage jeglicher Predigt in der frühen Kirche. Auf ihm sollte die Vollkommenheit des Menschen gegründet sein. Die Urkirche ging davon aus, dass niemand das Wort Gottes predigen konnte ohne umfassende Kenntnis des AT. Wohlgemerkt, es ging nicht um die mündlichen Überlieferungen, die die Bibel als die Tradition der Ältesten bezeichnet. Jesus hatte beständig seine Schwierigkeiten mit denjenigen, die die Traditionen höher achteten als das schriftliche Wort.

 

Die beiden großen religiösen Parteien im Judaismus zur Zeit Jesus waren die Sadduzäer, die nur an dem schriftlichen Wort festhielten und die Pharisäer, die daneben die mündlichen Überlieferungen genauso hoch einschätzten. Diese mündlichen Überlieferungen waren Erklärungen und Auslegungen des schriftlichen Wortes, die im Laufe der Zeit sehr umfangreich wurden und deren Aussagen sich auch gegenseitig widersprachen und sich vom schriftlichen Text weit entfernten. Gegen diese vom AT abweichenden und entgegengesetzten Auffassungen wenden sich sowohl Jesus als auch Paulus. Beide wollen nicht das AT abschaffen aber das schriftliche Wort als einzige Quelle hochhalten und die mündlichen Überlieferungen beiseite lassen. Als Beispiel soll hier Matthäus 15, Vers 1 dienen: “ Dann kommen Pharisäer und Schriftgelehrte von Jerusalem zu Jesus und sagen: Warum übertreten deine Jünger die Überlieferung der Ältesten? Denn sie waschen ihre Hände nicht, wenn sie Brot essen. Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Warum übertretet auch ihr das Gebot Gottes um eurer Überlieferung  willen?” Jesus macht hier seinen Standpunkt deutlich. Er hält sich an das AT aber nicht an die Überlieferungen. Vers 4: “ Denn Gott hat gesagt: “Ehre den Vater und die

   

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